Glückspausen im Stress

Ich bin ein Mensch, der sich schnell mal zu viel auflädt. Ich bin nicht gut im 'Nein' sagen, habe viele Interessen, so kommt das halt. Und so war dieses Wochenende irgendwie ganz besonders gut gefüllt. Ich versuche Euch einmal einen groben Überblick zu geben:

Freitags arbeite ich auf dem Markt, so ab halb 9 und bis 14 Uhr, grob. So auch diesen Freitag. Und ich liebe es! Die Menschen, die Gerüche, das gute Essen, die Gespräche. Es wird gelacht, gequatscht, probiert. Oliven, Cremes, Brot. Ein Kaffee vom Nachbarstand, Gespräche mit dem Gemüsemann und der Fischfrau. Es ist großartig. Aber es sind eben auch gut fünf Stunden, die ich auf den Beinen bin, Kundengespräche führe und Essen verkaufe, nicht zu vergessen das Abbauen und Saubermachen am Ende. Diesen Freitag wurde ich von meinem Liebsten abgeholt, ausnahmsweise. Primär, weil ich um 14.30 Uhr schon den nächsten Termin hatte. Die Grimmwelt, ein riesiges neues Museum über die Brüder Grimm, eröffnet bald und am Freitag gab es eine Vorab-Besichtigung für die Projektpartner. Dazu gehöre ich zwar nicht (obwohl...eigentlich irgendwie auch schon...), aber ich hatte dort einen Aushilfsjob als Vermittler. Ich stand in einem Bereich der Ausstellung, zu erkennen durch ein entsprechendes T-Shirt, und war dazu da, um den Besuchern jede Frage zu beantworten. Daraus ergaben sich ganz schnell ganz tolle Gespräche. Ich philosophierte mit den Besuchern über Kochrezepte des 19. Jahrhunderts, über Verarbeitungsmöglichkeiten von Quitten, über Kunst, über die Brüder Grimm, über ihren Nachlass. Ich lernte viele neue Leute kennen, traf alte Bekannte, die ich teilweise lange nicht gesehen hatte. Ich redete. Und redete. Und redete. Rund vier Stunden ging der Termin (nur), aber ich hatte das Gefühl, diese 240 Minuten durchgehend geredet zu haben. Im Anschluss gab es noch eine Teambesprechung (mit Sandwiches). Es war ein wirklich erfüllender Nachmittag und Abend, aber auch anstrengend. Und ich als dann auf dem Dach des Gebäudes stand, im schönen Abendlicht, und mit der Projekleiterin über den Tag sprach, den wundervollen Ausblick genoß  - hach, das war ein wirklicher Glücksmoment. So durch und durch gut. Trotz schmerzenden Füßen, Müdigkeit, Hunger und Durst.

Ein voller Tag - aber es folgte ja der Samstag. Auf dem Markt in Marburg herrschte Personalmangel und so hatte ich vor Wochen meiner Chefin angeboten, dort auszuhelfen. So aus einem Impuls heraus. Einfach so. So weit ist es ja nicht. Hm. Also stand ich um 5 Uhr auf, um kurz nach 6 Uhr ging mein Zug, kurz nach 8 Uhr war ich auf dem Marburger Markt. So weit ist es ja nicht. Der Markt in Marburg ist auch durchaus nett, aber es ist eben doch nicht mein Markt, nicht mein Chef. Es wird nicht ganz so viel gelacht, gequatscht und probiert. Und nach gut fünf Stunden Arbeit steht nicht der Freund zum Abholen da, stattdessen muss ich zum Bus laufen, der zum Bahnhof fährt, von wo der Zug fährt. Gegen 15.30 Uhr bin ich also zuhause. Für so'n gutes Stündchen. Bevor ich zu meinem anderen Job muss, Check-In. Dort bin ich also ab 17.30 Uhr. Vom Vorplatz draußen Beschallung mit ABBA-Live-Cover-Musik. Hachje. Dazu natürlich, wie sollte es anders sein, der vollste Abend des Jahres. Alleine. Alle anderen haben Urlaub. Gepäckmassen, Menschenmassen, schlechte Nachrichten, Telephonate, dazu Super Trooper. Als ich den Laden endlich schließe geht gerade die Sonne unter. Es ist ein schönes Licht. Auf die Vorplatzbühne tritt ein neuer Künstler. Er beginnt zu singen und haut mich damit um. Mit wunderschöner Opernstimme singt er Nessun Dorma. Ein absoluter Glücksmoment voller Gänsehaut. Nach einiger Zeit verwandelt sich seine Fassung in eine Rockfassung. Nessun Dorma als Rockfassung - unglaublich gut. Ich muss meinen Zug bekommen, aber auf dem Weg dahin begleitet mich die Musik. Ein schöner Feierabend, den ich durch Süßkartoffelpommes vollende.


Und dann...der Sonntag. Die Gelegenheit auszuschlafen, mich zu erholen, nichts zu tun. Und ich? Stehe ab 10 Uhr in der Küche und backe Torte. Weil...achja, warum halt nicht? Während die Böden backten korrigierte ich einen Text des Liebsten. Wir aßen Mittag, ich vollendete die Torte, korrigierte Texte, es gab Torte und dann...na klar: Ging es zur Arbeit, zum Check-In. Und als ich dann Feierabend hatte, mit dem Zug wieder hier ankam und zum Auto lief, da spielte jemand in der Bahnhofshalle Gitarre. Ich kannte das Lied nicht, aber ich lief richtung Ausgang, ließ die Menschen an mir vorrüberziehen und kam mir vor wie in einem Film. Kurz vor dem Abspann, mit begleitender Musik, alles gut.


Ein schönes Wochenende. Voll. Aber schön.

Eure





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