Ich mag keinen Sport.

Ich bin unsportlich. Bereits in der dritten Klasse rechnete ich mir akribisch aus, wie oft ich meine Sportsachen vergessen darf, bevor es irgendwelche Konsequenzen für mich hat. Das tat ich meine ganze Schulzeit hindurch. Wenn ich mitmachte, dann gab ich mir Mühe. Das änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass ich schlecht war. Spaß verspürte ich nie beim Sport, und auch keinen Erfolg. Was ich bereits als Kind mochte, war Schwimmen und Tauchen, einfach so, für mich. Aber im Verein kam es auf Leistung an, auf Verbesserung, auf Zeiten, Tiefen, Weiten - und damit konnte ich nichts anfangen.

Im Sportunterricht hatte ich meistens eine 3 - ich hab mir halt Mühe gegeben. Und ich habe immer mal wieder ausprobiert, ob es nicht doch irgendeinen Sport gibt, der mir gefällt. Ich habe mit Tischtennis begonnen, mit Basketball, mit Badminton. Letzteres gefiel mir wirklich gut - allerdings wollte der Verein an Wettkämpfen teilnehmen, dafür war ich weder gut genug noch begeistert genug, also hörte ich wieder auf.

In der Oberstufe durften wir unsere Sportkurse selber wählen. Ich belegte rhythmische Gymnastik mit Handgeräten, was mir erstmals eine 1 einbrachte. Im zweiten Halbjahr fing ich mit Schwimmen an, fand es aber so doof, dass ich zu einer Freundin in einen anderen Sportkurs wechselte. Dieser hatte das Ziel einen Triathlon am Ende des Halbjahres zu bewältigen. 400m Schwimmen, 11km Radfahren, 5km Laufen. Ich war miserabel, in jeder einzelnen Disziplin, aber ich schaffte am Ende den Triathlon und bekam eine 4. Die Zeit war schließlich schlecht. Die letzten beiden Halbjahre brachte ich mit Badminton und Frisbee rum - nicht gut, aber auch nicht schlecht.

Seitdem habe ich immer mal wieder das Gefühl, dass es doch irgendeinen Sport geben muss, der mir Spaß macht. Ich probierte Kendo, Zumba und Yoga - alles ohne Spaß oder Erfolg. Ich war vielleicht eine handvoll Mal in meinem Leben Joggen und empfinde es als die größte Folter dieser Welt.
Es ist ja gar nicht einmal so, dass ich mich ungern bewege. Ich gehe gerne Spazieren, wenn es etwas schönes zu entdecken gibt. Ich kann stundenlang durch Städte laufen, Photos machen, Orte erkunden, Menschen treffen. Ich spiele im Garten gerne Frisbee, Federball oder Tischtennis. Ganz locker, ohne Anspannung oder Leistungsgedanken. Auch mag ich Paartanz, einfach so, wenn es sich ergibt.

Warum ich das ganze schreibe? Ich war heute Abend das erste Mal seit langer Zeit im Fitness-Studio. Und habe mich von nichts abhalten lassen. Ich habe eine halbe Stunde lang meine Mitgliedskarte gesucht, mich umgezogen, bin durch den Regen hingelaufen und habe anderthalb Stunden trainiert. Ich habe ein Aufwärmtraining gemacht, Krafttraining, und ein Ausdauer-Stepper-Programm für 20 Minuten. Erstaunlicherweise fühlte ich mich damit permanent gut. Ich hatte Lust darauf, was für meinen Körper zu tun. Ich fand das Gefühl gut, beim Krafttraining. Ich glaube fast, ich mag Krafttraining. Und das Ausdauertraining am Ende war zwar ziemlich langweilig, aber ich war danach enorm stolz. Viele Menschen mögen keine Fitness-Studios, sträuben sich gegen den Gedanken, in irgendwelchen Studios vor sich hinzutrainieren, aber für mich war es heute Abend genau das Richtige. Es tat mir gut, es machte sogar ein wenig Spaß. Ob ich dran bleibe? Ich weiß es nicht.

Ich möchte kein Mensch werden, der ohne Sport nicht leben kann, der Joggen geht und irgendwelche Zeiten oder Gewichte verbessern will. Beim Sport ist mir jeder Wettbewerbsgedanke wirklich denkbar fern. Aber ich wär gern fitter und auch ein bisschen leichter. Also probiere ich es mal wieder mit dem Fitness-Studio und erzähle Euch hier vielleicht ab und zu vollkommen ehrlich, wie es mir so damit ergeht. Ohne irgendwelche "Hach, ich liebe Sport"-Äußerungen.

1 Kommentare:

  1. Meiner Meinung nach ist das Wichtigste beim Sport, dass er Spaß macht. Was das ist, muss jeder für sich selbst heraus finden. Mir macht machen beispielsweise Ausdauersportarten in der freien Natur (z.B. Joggen, Radfahren, Wandern) Spaß. Wenn dir Kraftsport Spaß macht, ist das doch Super und dass Sport immer was mit Wettbewerb oder Leistung zu tun haben muss, halte ich für einen weit verbreiteten Irrtum. Ich weiß beispielsweise nicht einmal wieviel Kilometer ich in der Regel jogge. Ich wünsche dir viel Freude im Fitness-Studio und vielleicht auch Gelegenheiten, bei denen du dich mit Frisbee, Federbal/Badminton oder Tischtennis vergnügen kannst, ohne an irgendwelche Wettbewerbe zu denken. Denn so, wie es dir Spaß macht, so ist es auch richtig.

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