Meilensteine und der Moment danach

Ihr wisst ja bereits, dass mein Leben derzeit recht turbulent verläuft: Ich schreibe fleißig an meiner geliebten Bachelorarbeit und habe nebenbei noch zwei weitere große Projekte, an denen ich arbeite. Bei dem einen Projekt handelt es sich um eine Ausstellung, die wir als Germanisten in Kombination mit einigen Kunststudenten auf die Beine stellen; bei dem anderen Projekt geht es um das Jubiläum fürs hiesige Waisenhaus, genauer gesagt um einen Beiträg für deren Jubiläumsfestschrift, den ich bis Ende des Monats geschrieben haben sollte. Das alles verpacke ich in meinen ganz normalen Alltag, der also aus einer wüsten Mischung aus Arbeit von Zuhause, Projekttreffen, Bibliotheksbesuchen und dem normalen Arbeiten (dem, zum Geldverdienen) besteht. Das alles ist stressig, manchmal sehr erfreulich, manchmal zum wahnsinnig werden, aber eben derzeit der Alltag.

Dazu kommen aber immer mal wieder ganz besondere Termine, und von diesen ganz besonderen Terminen hatte ich nun drei an drei aufeinanderfolgenden Tagen: Am Freitag hatten wir den Ausstellungsaufbau, am Samstag - ganz was anderes - eine türkische Hochzeit in der Familie meines Freundes und heute, am Sonntag - wieder etwas ganz anderes - einen Mittelaltermarktsbesuch mit meiner lieben Brieffreundin und ihrem Verlobten. Diese drei Termine standen alle für sich schon seit Ewigkeiten fest und ich war zu jedem dieser Termine aus den unterschiedlichsten Gründen aufgeregt und nervös.

Der Ausstellungsaufbau am Freitag verursachte hauptsächlich Bauchschmerzen. Im Vorfeld. Vor Ort wandelte es sich dann in starke Kopfschmerzen. Dazu muss man sagen, dass ich vormittags noch auf dem Markt arbeitete, bevor es dann in die rund 40 km entfernte Kleinstadt ging, in der unsere Ausstellung stattfinden soll. Nach dem Markt bekam ich langsam Kopfschmerzen, die sich mit ein wenig Schmerzmitteln immerhin ein wenig lindern ließen und sich erst ganz langsam in eine wunderschöne Migräne verwandelten. Der Aufbau als solcher war recht chaotisch und unorganisiert, aber die meisten unserer Objekte und Texte stehen/hängen/liegen nun und in zehn Tagen kann die Ausstellung beginnen, bis dahin ist sicherlich auch alles fertig. Und ich mache drei Kreuze.

Am Samstag, nachdem ich meine Migräne also sorgfältig weggeschlafen habe, ging es also an die Vorbereitungen für die Hochzeit. Haare flechten, Lidstrich malen, Kleid zurechtrücken und umnähen, Schuhe finden... - Vorbereitungen halt. Und dann eine türkische Hochzeit - spannend. Die Gäste, - viele Gäste, eine große Familie! - trudelten ab 17 Uhr nach und nach ein, wurden von den Braut - und Bräutigamseltern begrüßt und durften in der riesigen Festhalle Platz nehmen. Erst wenn alle Gäste anwesend sind, darf das Brautpaar den Saal betreten. In dieser Zeit, etwa zwei bis drei Stunden, wird bereits gefeiert, mit lauter Musik (teilweise mit türkischer Liveband!), Tanz und Getränken. Es ist einfach eine ganz besondere Stimmung, nicht zu vergleichen mit 'normalen' Hochzeiten. Wenn dann, abends, das Brautpaar kommt, geben sie sich noch einmal ein eheliches Versprechen und eröffnen die Feier dann mit einem Tanz, danach tanzen nahezu alle der Gäste gemeinsam. Dabei gibt es viele verschiedenen Folkloretänze, die getanzt werden - eine meist einfache Schrittfolge, bei denen dann wirklich jeder mittanzt, nach und nach kommen Leute dazu oder verschwinden wieder. Später wird dann gemeinsam gegessen, wobei man sagen muss, dass sich das wirklich nicht mit unseren gewohnten Hochzeitsessen vergleichen lässt. Für 400-500 Personen ein Essen zu konzipieren ist aber wohl auch einfach etwas ganz anderes. Typisch ist Reis mit Hähnchen, sagte mein Schwiegervater - und genau das gab es dann auch, ohne viel Schnörkel drumherum. Es gab auch keinen Nachtisch (dabei war mir so sehr nach was Süßem), aber Wein und später auch Rakı, einen türkischen Anisschnapps. 

Später, so gegen 22 Uhr, begann dann die Schenkungszeremonie, moderiert auf türkisch mit einigen deutschen Übersetzungen. In der alten Tradition darf die Braut wohl keinen Besitz haben, außer das, was sie am Körper trägt. Daher werden ihr überwiegend Gold - und Schmuckgeschenke gemacht. Mittlerweile werden auch Geldgeschenke gemacht, die in eine große Truhe gelegt werden. Dabei wird jeweils laut ausgerufen, wer wie viel Geld geschenkt hat. Eine sehr spannende Tradition, die an diesem Abend zum Teil gebrochen worden ist - wer einen geschlossenen Umschlag verschenkte, musste den Betrag auch nicht offenlegen, ein Kompromiss der deutschen Braut für die deutsche Verwandtschaft. Der Abend ging dann in eine lockere Feier mit viel Musik und Tanz über und wir verschwanden irgendwann gegen Mitternacht. Und seit ich ein wenig über türkische Hochzeiten gelesen habe, frage ich mich, ob es wohl doch noch eine Hochzeitstorte gegeben hätte - und ob wir sie wohl verpasst haben? Die gibt es meist nämlich wohl am Ende der Feier. Der Tag war aber so schon sehr lang, laut und voller Feierei und wirklich rundum ein interessantes Erlebnis. Mir fehlte leider ein wenig der persönliche Bezug, ich hatte die Braut nur einmal zuvor gesehen, den Bräutigam noch nie - aber ich gehörte ja auch nur zu entferntesten Verwandtschaft...

Heute fand dann der Mittelaltermarkt statt und dies war für mich mit den aufgeregtesten Gefühlen verbunden. Auf diesem Mittelaltermarkt sollte ich zum ersten Mal meine wunderbare Brieffreundin treffen. Wir schreiben uns erst seit etwas mehr als drei Monaten, haben aber dennoch schon einen ganzen Roman gemeinsam verfasst (und das im wahrsten Sinn des Wortes da sie mir unsere bisherige Konversation als gedrucktes Buch geschenkt hat, so wunderschön!). Wir schreiben uns über alles, über Gott und die Welt, über uns und andere, unsere Gedanken, Ideen und Träume. Obwohl wir in der gleichen Stadt wohnen haben wir uns noch nicht getroffen und so war dieses erste Treffen mit vielen Gedanken und Gefühlen verbunden. Würden wir uns 'in echt' auch verstehen? Haben wir schon all' unsere Gesprächsthemen im Vorfeld ausgeschrieben und würden uns nur anschweigen? Würden all' unsere Vorstellungen vom Gegenüber in der Realität erfüllt?

Als ich sie dann sah hüpfte ich ihr entgegen, nahm sie in den Arm und sofort fühlte es sich an, als würden wir uns ewig kennen. Wir verbrachten zu viert, mit unseren beiden Liebsten, einen wunderbaren Tag auf einem entzückenden kleinen Mittelaltermarkt mit toller Kulisse, genossen leckeres Essen und schlenderten die verschiedenen Stände entlang, bevor wir etwas abseits des Trubels im Burginnenhof saßen und unsere Gespräche zu viert fortsetzten. Einfach vollkommen frei und unbesorgt, offen und heiter. Und zum Abschied besprachen wir nicht nur die vielen Ideen, was wir nun alles gemeinsam unternehmen könnten, sie schenkte mir auch unseren wunderbaren Briefwechsel (den ich ja bereits erwähnte - ein so tolles Geschenk!).

Und nun bin ich zuhause und fühle mich ein wenig verloren. Gar nicht im negativen Sinne. Aber diese drei Tagen waren seit langer Zeit geplant und irgendwie Meilensteine, für die verschiedensten Bereiche meines Lebens. Nun sind sie alle auf ihre Art und Weise vorbei. Meine Sorgen und Ängste bezüglich der Ausstellung, sind unwichtig geworden (was schief gehen soll, wird auch schief gehen!), die Hochzeit ist gewesen, und die Gedanken um das heutige Treffen haben sich in der bestmöglichen Art aufgelöst, in einem schönen Tag, mit der Aussicht auf viele weitere gemeinsame Unternehmungen. Hier sitze ich nun also mit meinem Sonnenbrand und weiß gerade gar nicht so konkret, was ich tun soll. Keine konkreten, akuten Sorgen in meinem Kopf - ein ungewöhnlicher Zustand. Ich sollte also mal schnell eine neue To-do-Liste beginnen, um mir vor Augen zu führen, was es alles zu tun gibt. Das ist sicher eine Menge. 

Gerade fühle ich mich auf jeden Fall einfach irgendwie beschwingt und...zufrieden. 
Damit grüße ich Euch herzlich,

Eure

 

1 Kommentare:

  1. Bisher habe ich ja noch nie hier kommentiert (glaube ich), aber nun muss ich es einfach tun:
    Ich fand unser Treffen ganz wunderbar und habe mir auch schon überlegt, dass ich dazu unbedingt einen Blog-Eintrag schreiben möchte.
    Gerade schlafe ich fast ein, also werde ich das morgen tun.
    Hach, es war einfach fablehaft!
    Auf viele weitere Treffen. <3

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