Guter Journalismus

Vor einem Jahr begann ich mein Praktikum bei einer überregionalen Zeitung, es war eine der besten Zeiten meines Lebens. Mein Traum von Journalismus, ich konnte ihn leben, ein paar Wochen lang.

Anfangs hatte ich im großen Redaktionsalltag einige Hemmungen, es war alles neu und groß und unbekannt- und ich hatte Angst, Fehler zu machen. Die erfahrenen Journalisten gingen utnerschiedlich mit meiner Unsicherheit um. Einige gaben mir einfach Aufgaben und schmissen mich ins kalte Wasser, einige gaben mir leichtere Aufgaben, die mich langsam aufbauen sollten. Felix schickte mich zu Außenterminen, gab mir seine Handynummer, blieb mit mir in Kontakt wenn ich Rückfragen hatte, nahm später meine Notizen und Textbruchstücke und verwandelte sie in einen Artikel. Der letztendliche Artikel hatte zugegebenermaßen nicht mehr viel von mir inne, und dennoch stand mein Name groß neben seinem auf der Seite. Auf dem Deckblatt. Unverdient? Aus meiner Sicht vielleicht, aus seiner Sicht war es wohl eine Selbstverständlichkeit. Viel haben wir später nicht mehr zusammengearbeitet und dennoch konnte ich viel von ihm mitnehmen. Ich musste feststellen und mir wurde oft gesagt, wie schwierig es heutzutage ist, den Traum vom Journalismus umzusetzen. Felix lebte den Traum einfach, gab ihn weiter, voller guter Laune und voller Leidenschaft. Ich kannte Felix nicht gut. Jetzt ist er gestorben, mit nur 32 Jahren. Es ist traurig, er war einer von den guten Jungs, einer, der den selben Traum hatte, wie ich- nur, dass er ihn gelebt hat. Ich wünsche all den Menschen, die Felix so viel besser kannten, die ihn liebten, ganz viel Kraft. Sein Traum muss weitergelebt werden. Ich werde versuchen, meinen Teil dazu beizutragen.

Es ist viel mehr der Traum, das zu tun, worin man aufgehen kann, was man liebt. Ich habe die Zeit geliebt, die Arbeit, das Schreiben. Der Journalismus darf nicht aussterben, darf sich nicht auf die Online-Medien beschränken und die Zeitung, die mir so ans Herz gewachsen ist, darf nicht insolvent zugrunde gehen. Und es gibt Menschen, Menschen wie Felix, die dafür kämpfen. Aber das ist nicht meine Aufgabe, ich kann an der Stelle mit meinen Möglichkeiten nichts ausrichten. Ich werde hier nun einen anderen Weg einschlagen, und vielleicht führt auch der mich irgendwann wieder zum Journalismus. Aber nun beginnt mein Praktikum bei einer Landesausstellung. Meine Grimm-Reise geht weiter. Und so möchte ich diese Leidenschaft leben und teilen.

Im Gedenken an alle Menschen, die ihre Träume voller Leidenschaft leben. Für Felix.



0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

 

Zuletzt...

gelesen: Suzanne Collins - Catching Fire

gesehen (Kino): Dr. Strange

gesehen (Zuhause- Film): Indiana Jones II

gesehen (Zuhause- Serie): Downton Abbey (Staffel 4)

gewesen (Reise): London.

Piep, piep:

Beliebte Beiträge