Zwei Jahre.

Guten Abend,

am Wochenende war ich auf dem Abiball einer sehr guten Freundin. Abiball, das bedeutet schicke Kleider, viel Musik, viele Tänze, Wiedersehen mit alten Freunden, alten Lehrern, Leute die man mag, die man einst mochte, die man nie mochte. Und so wurde viel geredet, gelacht und erzählt. Als mein bester Freund dann im Laufe des Abends in seinem Jackett den Ablaufplans unserer Abientlassung fand und mir zeigte, da passierte es. Ich fing an zu weinen. Warum?

Unser eigener Abiball ist zwei Jahre her. Vor zwei Jahren waren wir gerade fertig mit der Schule. Wir fühlten uns frei, wir waren stolz, wir hatten einen Lebensabschnitt souverän beendet. Wir standen vor einer neuen Herausforderung, hatten Ziele und Ideale und viele Vorstellungen von unserer Zukunft. Und dennoch lebten wir den Augenblick, haben jeden Moment genossen. Der Sommer vor zwei Jahren war UNSER Sommer, voller Erlebnisse. Und dann ging alles ganz schnell. Die Studienplatzsuche, die Entscheidung, die Wohnungsssuche, die Umzüge, die Trennungen von Familie und Freunden. Wir hatten das Ziel, immer befreundet zu bleiben. Aber Freundschaften gingen kaputt, andere wurden stärker. Wir hatten Studiumsvorstellungen und doch war die Realität anders. Meine Realität war anders. Das Studium nicht so, wie gewünscht, die große Liebe nicht die, die erhofft. Die Entfernung von geliebten Menschen, so viel schwerer als erwartet.

Aber die zwei Jahre brachten nicht nur Negatives. Es gab auch neue Perspektiven, neue Chancen. Wunderbare Erlebnisse. Neue Menschen, tolle Menschen, die zu Freunden wurden und werden. Erfahrungen, die mich stärker machen, zu dem machen, was ich bin. Eine junge Frau, mit Zielen und Idealen und Vorstellungen von der Zukunft. Hat sich also doch nicht so viel verändert? Oder gibt es einfach Dinge, die sich nicht ändern, auch wenn sich das Leben auf den Kopf stellt?

All das ging mir durch den Kopf, auf diesem Abiball, während ich da saß und weinte. Ich bin dankbar, für die vielen Erfahrungen und für die wundervollen Menschen, die für mich da waren und sind, die meinen Weg mit mir gehen, für mich gehen und mich unterstützen, für mich da sind, mir helfen. Dankbar für die Freundschaften, die nicht gehalten haben, weil es eine Erfahrung ist, die man machen muss. Noch dankbarer für die Freundschaften, die gehalten haben, die noch besser sind als vorher. Und dankbar, für die Lehrer die ich hatte. Für einige mehr, für andere weniger und am meisten für die, die mir wirklich etwas beibringen konnten. Nicht fürs Abi. Sondern fürs Leben.

Ich danke von Herzen!
Eure Schattenmalerin

P.S.: Day 28 - a song that makes you feel guilty

"Guilty" ist jetzt nicht genau die Beschreibung, die mir einfallen würde. Aber das Lied passt irgendwie, zu allem gerade. Ein bisschen zu guilty, ein bisschen zu einer Person, der ich sehr danke, ein bisschen zum Thema dieses Eintrages (besonders "...it hurts to grow up...")

Ben Folds- Still fighting it
(in dieser Version, denn die Aussage ist so wichtig!)

 



1 Kommentare:

  1. Sehr geehrte Schattenmalerin!

    Einmal mehr stieß ich auf Ihre tiefgehenden Eintragungen und löse derweil mein Versprechen des Weiterlesens ein.

    Sehr interessant finde ich Ihr Erlebnis. Interessant, aber keinesfalls ungewöhnlich.

    Wieder möchte ich mit einer kleinen Geschichte aufwarten: Diesmal jene eines bereits entschlafenen Freundes.
    Dieser lebte in einer grausamen Zeit, die für Sie Gott lob nur im Geschichtsbuch existent ist, im heutigen Polen. Den Ort seiner Kindheit, mit all dem, was eben auch Sie aktuell beschreiben, musste er in den Wirrungen der Kriegsgefächte verlassen. Er verlor weit mehr, als Sie und ich uns vorstellen können.

    Er haderte jedoch nicht mit diesem Schicksal - zumindest nicht offen. Stattdessen schaute er, so perfide es klingen mag positiv zurück. Auf das was war. Auf das, was er liebte und mochte. Noch viel mehr auf das was kommt. Die Zukunft gut gestalten.

    Als sich die politische Lage zu Beginn der 90-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts beruhigte, bereiste er den Ort seiner Kindheit. Die Emotionen beschrieben Sie bereits sehr gut.

    Blicken Sie nach vorn und schauen Sie gerne zurück - das ist Ihr Fundament!

    Ihr anonymer Leser

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